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Schiller’s Kabale und Liebe – Übersetzt ins Kiezdeutsche

Bei kiez:story läuft’s.

Auch wenn die Pandemie es unmöglich gemacht hat, das Projekt im Rahmen von Schul-AGs an drei Berliner Schulen umzusetzen, ist doch einiges passiert. Viele Ideen sind in Form von außerplanmäßigen Miniprojekten umgesetzt worden.

In Kurzvideos haben beispielsweise Teamende „ihren Ort“ in Berlin vorgestellt, Jugendliche haben bei Kiezkulinarik ihre Lieblingsrestaurants vorgestellt (Videos folgen demnächst) und unser Teamer Onur durfte die beiden Schüler:innen der Walter-Gropius-Schule, Suna und Mohamad, bei ihrer Abschlussarbeit begleiten, in der sie Schiller ins Kiezdeutsche übersetzt haben.

Ein paar Auszüge aus diesem Unterfangen sind weiter unten zu lesen, aber erstmal, weshalb das ganz gut zu „unseren“ Ansätzen passt.

 
 

Die meisten Berliner Schüler:innen wachsen zweisprachig auf. Damit meinen wir nicht, dass sie zuhause noch italienisch, vietnamesisch, wolof oder dari sprechen, sondern dass die meisten auch einiges an Kiezdeutsch auf Lager haben.

Kiezdeutsch ist dabei nicht einfach „falsches Deutsch“, garniert mit ein paar ausländischen Vokabeln, sondern hat durchaus Regeln. Das ruft nicht erst seit gestern auch Sprachwissenschaftler:innen auf den Plan, die sich mit diesem Phänomen beschäftigen und inzwischen fordern, diese Kompetenz als Ressource zu verstehen, anstatt Jugendliche deshalb abzuwerten.

Ein aktive Behandlung im Unterricht fördert die bewusste Verwendung der Sprache und steht – genauso wie die Beherrschung einer formalen Zweitsprache – dem Erlernen des Hochdeutschen nicht im Weg: eher im Gegenteil!

Besonders Rap hat großen Anteil in der Verbreitung dieses urbanen Jargons und kann durch seine „Lebensweltorientierung“ wunderbar in den Unterricht einbezogen werden. Andersherum können auch mal klassische Texte ins Kiezdeutsche übersetzt werden, um sie mal wieder aktueller zu machen, oder? Dass dabei mal Feinheiten zu kurz kommen können, haben auch Suna und Mohamad in ihrer Abschlussarbeit festgestellt. Im Folgenden ein kleiner Auszug aus dieser Arbeit, nämlich der 1. Akt, 4. Szene, der zugleich seriös und lustig ist.

Zunächst das Original:

FERDINAND.
Du bist blaß, Luise?

LUISE (steht auf und fällt ihm um den Hals).
Es ist nichts. Nichts. Du bist ja da

FERDINAND (ihre Hand nehmend und zum Munde führend).
Und liebt mich meine Luise
noch? Mein Herz ist das gestrige, ists auch das deine noch?

LUISE.
Doch, doch, mein Geliebter.

FERDINAND.
Rede mir Wahrheit. Du bists nicht. Ich schaue durch deine Seele wie durch das klare Wasser dieses Brillanten. (Er zeigt auf seinen Ring.) Was hast du? Geschwind!
Was bekümmert dich?

LUISE (sieht ihn eine Weile stumm und bedeutend an, dann mit Wehmut).
Ferdinand! Ferdinand! Daß du doch wüßtest, wie schön in dieser Sprache das bürgerliche Mädchen sich ausnimmt?

FERDINAND.
Was ist das? (Befremdet) Mädchen! Höre! Wie kommst du auf das? Du bist meine Luise! Wer sagt dir, daß du noch etwas sein solltest. Wärest du ganz nur Liebe für
mich, wann hättest du Zeit gehabt, eine Vergleichung zu machen?

 

Und so liest sich die freie Übersetzung ins Kiezdeutsche nach Suna und Mohammed:

FERDUN:
Shu Schnecke, was los? Du siehst tot aus, alles klärchen? Wallah, du weißt, wie sehr ich dich liebe Prinzessin!

LÜISE (Steht auf und fällt ihm um den Hals):
Lak Junge, allles gut habibi. Endlich bist du wieder back. (Luftkuss/Geste der Liebe) Wie ich dich vermisst hab ya, war auf miesen Entzug

FERDUN (Ihre Hand nehmend und zum Munde führend):
Also liebst du mich noch süße sowie ich?

LÜISE:
Ja übertrieben, du weißt doch, ich kann nicht ohne dich!

FERDUN:
Tafnisss hör auf zu lügen. ich weiß doch, wie Chayas sind. Irgendwas ist komisch…

LÜISE:
Ja wallah, du kennst mich übertrieben. Aşkim, Ich habe nicht so viel Para wie du
Richboy und ja dein Baba (Kopf schütteln) ach keine Ahnung alle werden Auge machen

FERDUN:
Was labberst du? Kule Khara (macht seine Hand nach oben) denk nicht so viel nach! Wallah, du bist so krass! Immer, wenn ich bei dir bin, andere Welt einfach- siehst du
diesen Ring (zeigt auf seinen Ring) der sieht aus wie du Lüise

LÜISE (sieht ihn eine Weile an dann mit Wehmut):
Du verarscht mich, du Opfer. Du weißt,
macht kein Sinn ya. Du bist andere Liga. Dein Vater gönnt nicht richtig und wenn er das
erfährt, bin ich am Arsch

FERDUN (springt auf):
ach chill mal, wer ist er, dass er uns trennt? du bist mein Nasib, ich bin das Alpha du weißt bescheid

LÜISE:
Oha übertreib nicht, du Blender (fasst seine Hand) ich hab mies schiss und du, du wirst sowieso verkacken

FERDUN:
Ey, kannst du mal aufhören zu nerven? Nur wenn du Korb verteilst, wäre verkackt

LÜISE:
du weißt ist schwer ja. Träum nicht so viel, diese Maskhara Liebe macht nur Angst
(drückt ihn von sich, in großer Bewegung)

FERDUN:
Mach nicht so auf unantastbar. (Hält sie auf) Du weißt, ich bekomme dich. Diese Moment,wo ich dich gesehen hab, Alhamdullillah ein Traum wird wahr (zärtlich umfassend)

LÜISE:
du denkst auch diese Dunya, gehört dir. Wer bist du denn? Du machst damit nur
Kopfschmerzen für jeden Menschen auf Welt (drückt ihn weg und Ferdinand hält sie auf, reißt sich los)

Und? Welche Version findet ihr verständlicher?

(Foto der Schillerstatue: Von p.schmelzle – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0)

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kiez:story Aufruf Erzähl uns deine Story!

Bei kiez:story geht´s darum, die eigene Story zu erzählen.

Deshalb suchen wir dich!

 

Du hast Lust dich mit deiner Familiengeschichte und mit der Berliner Geschichte, also auch mit dir selbst auseinanderzusetzen?

 

Wie ist deine Familie in Berlin und in deinem Kiez gelandet? Wie war zum Beispiel die Erfahrung deiner Großeltern oder Eltern als sie in Berlin ankamen oder dann hier aufzuwachsen? Und wie ist es für dich, jetzt in Berlin zu leben?

 

Noch keine Erfahrung mit Interviews und Geschichten erzählen? Kein Problem. Wie eine Story gut erzählt und dokumentiert wird, lernst du bei uns vorher in einem Workshop.

 

In dem ca. 3-stündigen Workshop in unserem Kreuzberger Büro lernst du Methoden zur Interviewführung kennen. Gemeinsam mit unseren Teamer*innen erarbeitet ihr dann einen Plan und legt los. Dabei werdet ihr von einer Kamera begleitet. Deshalb solltest du kein Problem haben, vor der Kamera zu stehen und dich fotografieren zu lassen. Gerne würden wir dabei auch filmen. Wenn das für dich oder euch in Frage kommt, sag Bescheid!

 

Die Ergebnisse, also Interviews, Fotos und vielleicht Videos werden von uns auf unserem Instagramkanal, unserer Webseite und auf unserer Ausstellung im August veröffentlicht. Dafür brauchen wir dann eine Einverständniserklärung von dir, dass wir das dürfen.

 

Sieh deine Story auf der Leinwand, denn wir glauben, jede Geschichte ist wichtig genug, um gehört zu werden.

 

Also: Du wohnst in Berlin und bist zwischen 15 und 20 Jahre alt und hast Lust Interviews in deiner Familie zu führen? Schreib uns bis zum 10.05.2021 an!

 

 

Wenn du magst, erzähl uns dabei schon mal ein bisschen, wer du bist und wen du gerne interviewen würdest.

 

Bevor wir es vergessen: Deine Arbeit wird bezahlt!

 

Wir freuen uns auf dich, bis bald!